Krankheitsbild
Schwachsichtigkeit (= Amblyopie) bezeichnet die funktionale Sehschwäche eines oder seltener beider Augen, der eine unzureichende Entwicklung des Sehsystems während der frühen Kindheit zugrunde liegt. Dies führt zu einer Beeinträchtigung der Wahrnehmung mit einer Sehschärfenminderung, welche nicht durch organische Fehler des Auges zu erklären ist und auch bei bestmöglicher optischer Korrektur einer Fehlsichtigkeit (s.o.) fortbesteht.
Risikofaktoren: Schielen (Strabismus), Brechkraftunterschiede beider Augen (Anisometropie), höhergradige Fehlsichtigkeiten, familiäre Veranlagung, Augenlidanomalien, Trübungen der brechenden Medien (Hornhaut, angeborener grauer Star), Frühgeburt.
Vorsorge/Früherkennung
Frühzeitige augenärztliche Untersuchung ab etwa 1 Jahr. Ggf. auch früher, insbesondere bei Fehlsichtigkeit eines oder beider Elternteile, bei Schielen (Strabismus) und/oder Schwachsichtigkeit (Amblyopie) in der Familie, aber auch anderen familiär gehäuften Augenerkrankungen. Selbstverständlich auch möglichst früh bei auffälligen Veränderungen (z.B. „weisse“ Pupille (Symptom bei angeborenem Grauen Star (kongenitale Cataract) oder frühkindlichem intraokularem Tumor (Retinoblastom)). Im Idealfall werden auffällige Kleinkinder vom aufmerksamen Kinderarzt zur Klärung überwiesen.
Untersuchungsmethoden
Augenärztliche Basisuntersuchung mit Bestimmung der Sehschärfe, Untersuchung der vorderen Augenabschnitte am Spaltlampenmikroskop, Inspektion mindestens des zentralen Augenhintergrundes.
Objektive Refraktionsbestimmung (unter vorübergehender medikamentöser Ausschaltung des inneren Augenmuskels (Zykloplegie): bei Kleinkindern Skiaskopie/ binokulare Videoskiaskopie, wenn bei Kooperationsfähigkeit schon möglich auch mit portablem oder stationärem Auto-Kerato-Refraktometer.
Ggf. sollten noch weiterführende Untersuchungen stattfinden.
Refraktionsbestimmung
Bedeutung der Sehschärfenbestimmung
Die Ermittlung der Korrektionsgläser zum Erzielen der bestmöglichen Sehschärfe ist außerordentlich wichtig nicht nur zur Brillenglasbestimmung sonder auch zur Beurteilung der Funktionsfähigkeit des Auges und in gutachterlicher Hinsicht. Säuglinge und Kleinkinder können bei einem Brechkraftfehler (Refraktionsanomalie) erst mit einer passenden Brillenkorrektur ihre beste Sehfähigkeit entwickeln. Wird die rechtzeitige Korrektur versäumt, bleibt eine nicht beeinflussbare Sehschwäche lebenslang bestehen. Wird keine optimale Sehschärfe erreicht, muss zur Diagnose einer möglichen Krankheit nach der Ursache geforscht werden.
Bestimmung der erforderlichen Korrektur
Der Patient sitzt in einer vorgeschriebenen Entfernung vor einer Sehprobentafel. Entweder sind die Sehzeichen aufgedruckt oder werden mit einem Projektor auf dieser Tafel dargestellt: Zahlen, Kinderbilder, E-Haken, Landoltringe. Für gutachterliche Untersuchungen ist der Untersuchungsplatz nach DIN-58220 eingerichtet, um unter gleichen Bedingungen Sehschärfenergebnisse miteinander vergleichen zu können.
Zunächst prüft man die Sehschärfe ohne Prüfgläser. Dann schaut der Prüfling durch eine Messbrille oder einen Apparat, der die verschiedenen Gläser vor das zu untersuchende Auge schiebt (Phoropter). Durch Hinzufügen und Wiederentfernen von Messgläsern (Minus- oder Pluslinsen) wird die optimale Sehschärfe ermittelt. Das Abfragen des Seheindruckes während einer Sehschärfenprüfung ist nicht immer einfach und verlangt von beiden – vom „Prüfer“ und „Prüfling“ – eine hohe Konzentration. Schließlich soll an Hand der ermittelten Refraktionswerte eine Brille angefertigt werden, die „passen“ muss.
Bestimmung der Fehlsichtigkeit bei Kindern
Bei Kindern und nicht kommunikationsfähigen Menschen kann eine Sehschärfenbestimmung nicht im Wechselgespräch erfolgen. In diesen Fällen können nur apparativ ermittelte Werte verwendet werden.
Definition der Glasstärke
Die Wirkung eines Glases ist durch seine Brennweite bestimmt. Der Kehrwert der Brennweite – in Meter gemessenen – ist die Dioptrienzahl (= Stärke des Glases), z.B. die Brennweite einer Sammellinse beträgt ¼ m, d.h. der Kehrwert von ¼ ist 4. Die Linse hat also eine Brechkraft von 4 Dioptrien
Brennweite der Linse: 25 cm
Entspricht: ¼ m
Kehrwert: 4
Also Brechkraft: 4 Dioptrien
Spaltlampenuntersuchung


Das Spaltlampenmikroskop ist das wichtigste Untersuchungsgerät des Augenarztes. Mit ihm ist es möglich das Auge in hoher Vergrößerung stereoskopisch zu untersuchen. Der Patient legt dazu seinen Kopf auf die Kopfstütze vor der Spaltlampe, um störende Kopfbewegungen des Patienten zu vermeiden. Der Augenarzt kann über Schiebe- und Drehmechanismen das Spaltlampenmikroskop so vor den Augen seines Patienten positionieren, dass er ein scharfes Bild erhält. Mit niedrigen Vergrößerungsstufen (ca. 6-fach) werden die Lider und äußeren Augenabschnitte beobachtet. Zur Untersuchung der Bindehaut, der Hornhaut, des Tränenfilms, der Augenlinse, der vorderen Augenkammer und des Glaskörpers werden höhere Vergrößerungen benutzt (16 – 40-fach). So variabel die Vergrößerung ist, so variabel ist auch die Beleuchtung. In der Regel wird mit weißem Licht untersucht. Für spezielle Untersuchungen können Filter in den Strahlengang geschwenkt werden, so dass mit grünem und blauem Licht untersucht werden kann.
Die Form und der Durchmesser des beleuchteten Lichtstrahls kann verändert werden. Am häufigsten wird ein spaltförmiger Lichtstrahl verwendet (daher auch der Name Spaltlampe). Die Richtung des Beleuchtungsstrahls kann durch Schwenken der Lampe in allen Richtungen verändert werden. Durch Verwendung dieses spaltförmigen Strahlengangs können die transparenten optischen Medien sehr gut untersucht werden, also z. B. die Augenlinse, die Hornhaut usw..
Unter Zuhilfenahme von speziellen Lupen oder Kontaktgläsern lässt sich mit der Spaltlampe auch der Augenhintergrund stereoskopisch sehr genau untersuchen. Durch Einschwenken eines Augentonometers (Druckmessgerät) wird an der Spaltlampe der Augendruck schmerzfrei gemessen. Der Sitz und die Beweglichkeit von Kontaktlinsen wird ebenfalls an der Spaltlampe überprüft. Die meisten augenärztlichen Laser kommen mit der Spaltlampe zum Einsatz. Durch besondere Laseradapter wird das betreffende Laserlicht in den Lichtstrahlengang des Spaltlampenmikroskops eingeblendet und kann so unter exakter optischer Kontrolle angewandt werden.
Spaltlampenfotografie
Was der untersuchende Augenarzt mit seiner Spaltlampe sieht, kann auch fotografisch dokumentiert werden. Dazu muss über einen Strahlenteiler ein Fotoapparat angekoppelt werden. Heute werden oft Videokameras statt der herkömmlichen Fotoapparate verwendet. Die Spaltlampenfotografie ist eine individuelle Gesundheitsleistung, die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen (Selbstzahlerleistung).
Objektive Refraktion
Bezeichnet die (objektive ohne Angaben des Probanden) Messung des Brechungszustandes des Auges, dazu stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
- Manuelle Refraktometer, z.B. von den Herstellern Rodenstock oder Zeiss („Zeiss-Bombe“), die heute kaum noch in Gebrauch sind, weil sie von den Auto-Refraktometern verschiedenster Hersteller verdrängt wurden.
- Automatische Refraktometer/Keratorefraktometer. Beispiele:
Automatisches Kerato-Refrakto-Tonometer TRK-3 OMNIA, Quelle: Topcon Healthcare | ![]() Auto Ref/Keratometer, Quelle: NIDEK | ![]() Handheld Ref/Keratometer, Quelle: NIDEK |
Skiaskopie
Die Skiaskopie (Schattenprobe) wird vor allem bei Kindern zur Ermittlung der Gesamtbrechkraft des Auges zur Ermittlung von Sehfehlern durchgeführt. Über den lichtdurchlässigen Spiegel des Skiaskops wird die Pupille des Auges beleuchtet und durch Bewegen des Lichtstriches die Schattenwanderung in der Pupille beobachtet und durch Vorhalten von Skiaskopierleisten, die Linsen unterschiedlicher Brechkraft enthalten, die Brechkraft gemessen, indem man den sog. Flackerpunkt/Umschlagpunkt ermittelt. Auf diese Weise können sowohl Weitsichtig-, Kurzsichtigkeit als auch Astigmatismen gemessen werden. Die Skiaskopie kann sowohl als orientierende Messung bei reagierender Pupille als auch zur präzisen Messung unter Zykloplegie (passagerer medikamentöser Lähmung des Ringmuskels) erfolgen.
Beispiel für (Strich-)Skiaskopie:



Augenspiegelung (Ophthalmoskopie)


Die wichtigste Untersuchung zum Ausschluss eines Glaukoms ist die Beurteilung des Sehnervs durch eine Spiegelung des Augenhintergrundes. An der Austrittsstelle des Sehnervs zum Gehirn können charakteristische Glaukomveränderungen schon früh festgestellt werden.
Die Spiegelung des Augenhintergrundes wird vom Augenarzt vorgenommen. Sie dient der Erkennung von Veränderungen im Inneren des Auges, insbesondere von Veränderungen an Glaskörper, Sehnerv und Netzhaut. Das Auge wird mit einer hellen Lichtquelle ausgeleuchtet und das Augeninnere über Lupensysteme mit unterschiedlicher Vergrößerung untersucht. Die Untersuchung wird heute meist als indirekte Spiegelung mit einem Binokularophthalmoskop durchgeführt, ist schmerzfrei und dauert wenige Minuten. Je nach Fragestellung kann es erforderlich sein, die Pupillen mit Augentropfen vorübergehend zu erweitern. Sollte eine Kontaktglasuntersuchung erforderlich sein, wird die Augenoberfläche kurzzeitig mit Augentropfen betäubt. Nach einer Pupillenerweiterung ist das Sehvermögen vorübergehend herabgesetzt. In dieser Zeit darf kein Fahrzeug gelenkt werden.
Der Sehnervenbefund sollte heute durch eine Bildgebung dokumentiert werden.
Die Augenspiegelung mit Kamera oder als Video-Ophthalmoskopie ist eine Selbstzahlerleistung.
Behandlung/Operation
Korrektion des (meist) vorhanden Brechungsfehlers durch Brille (evtl. Kontaktlinse), bei bereits vorhandener Schwachsichtigkeit (Amblyopie) eines Auges individuell abgestimmte Okklusionstherapie (i.d.R. Pflasterokklusion, weniger wirksam Brillenokklusion, Okklusions-Kontaktlinse).
Individuelle Brillen: Optimales Sehen in jeder Situation – in der Freizeit und im Beruf
Gutes Sehen durch die individuell angepaßte Brille fördert die Konzentration und wirkt der Ermüdung entgegen. Spezialbrillen, individuell auf bestimmte Sehentfernungen angepasst, sind im Berufsleben und in der Freizeit nicht mehr wegzudenken. Sie geben Sicherheit und erlauben ungetrübten Genuss in Freizeit und Hobby.
Schon im Mittelalter wurden Fehlsichtigkeiten mit Brillen behandelt. Auch heute ist die Korrektur mittels einer Brille noch am weitesten verbreitet. Außer der Tatsache, dass man ständig auf seine Brille angewiesen ist, gibt es bei geringeren Fehlsichtigkeiten keine Nachteile.
![]() Quelle: Carl Zeiss | Kurzsichtigkeit Bei Kurzsichtigenwerden Gläser mit zerstreuender Wirkung (Minusgläser) eingesetzt. Diese Gläser sind am Rande dicker als in der Mitte. |
![]() Quelle: Carl Zeiss | Weitsichtigkeit und Stabsichtigkeit Bei Weitsichtigen Sammelgläser (Plusgläser).Diese Gläser sind in der Mitte dick, am Rande dünn (Bild links). Bei Stabsichtigkeit Zylindergläser, die in einer bestimmten Position (Achslage) die Brechkraft beeinflussen. |
![]() Quelle: Carl Zeiss | Alterssichtigkeit Bei Alterssichtigkeit bestimmt man zunächst die Fernsicht und danach erst die Nahsicht. Es wird nur die Brechkraft ergänzt ,die zum bequemen Sehen in der vorgegebenen Nahsehentfernung notwendig ist. Die Stärke der Nahbrille richtet sich nach dem Lebensalter und der gewünschten Lese-(Arbeits)entfernung. |
Brillenglastypen
- Einstärkengläser: Für Fernbereich und verschiedene Nahabstände. Gläser zum Ausgleich von Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Alterssichtigkeit und Stabsichtigkeit.
- Mehrstärkengläser: Kombiniert für Fern- und Nahbereich als Zweistärken-, Dreistärken- oder Gleitsichtgläser
![]() Bifokal | ![]() Trifokal |
- Gleitsichtgläser: Mit weichem, stufenlosem Übergang vom Fern- über den Mittel- in den Nahbereich Anwendung im Alltag, am PC, im Büro und spezielle Tätigkeiten. Hier sehen Sie die graphische Darstellung eines Gleitsichtglases: Oberer Bereich dunkelblau für die Ferne Weicher Übergang in hellblau für den Mittelbereich Unterer Bereich grüngelb für den Nahbereich.
![]() Quelle: Carl Zeiss | ![]() Sonnenschutz-Filterglas |
Glasmaterial und Veredelungen
Die verschiedenen Gläser können in Kunststoff (organisch) oder in Glas (mineralisch) hergestellt werden. Entspiegelung (Reflexminderung), Tönung, Sonnenschutzgläser in diversen Ausführungen werden angeboten. Je nach Befund und therapeutischer Notwendigkeit werden Prismengläser eingefügt. Diese Gläser beeinflussen die Blickrichtung.
Kontaktlinsen – die unsichtbare Brille
Glücklich, wer auch ohne Korrektur ein optimales Sehvermögen besitzt. Fehlsichtigkeit ist aber kein Problem. Dank Brille erleben kurz- oder weitsichtige Menschen Ihre Umwelt klar und deutlich. Manchmal stört sie allerdings. Sie beschlägt, verbiegt sich, wird beschädigt oder geht gar verloren. Die Alternative sind von Ihrem Augenarzt individuell angepasste Kontaktlinsen. Sie erleichtern das Sehen in vielen Situationen und sind leicht zu handhaben.
Wozu Kontaktlinsen?
Sie …
- ermöglichen natürliches Sehen ohne störende Gesichtsfeldeinengung
- ersetzen die manchmal als lästig empfundene Brille.
- geben Ihnen Sicherheit in der Freizeit und beim Sport.
- verhelfen oft zu voller Sehschärfe, wenn bei Sehfehlern die Korrektur mit Hilfe einer Brille nicht möglich ist
- ermöglichen Patienten mit Sehfehlern oft erst eine normale Berufsausübung
- sind in besonderen Fällen medizinisch notwendig und werden dann von der Krankenkasse durch einen Festbetrag unterstützt. Wir beraten Sie gerne und helfen Ihnen beim Antrag auf Kostenübernahme.
Auswahl der Kontaktlinse?
Der Markt bietet heute eine Vielzahl verschiedener Kontaktlinsen. Die wesentlichen Unterschiede bestehen in Material, Größe, Oberflächengestaltung, Anwendungsbereich und Tragemodus.
Weiche flüssigkeitshaltige (hydrophile) Kontaktlinse („Weichlinse“):
- größer als die Hornhaut
- fühlt sich beim Anfassen „weich“ an
- spontaner Tragekomfort
- auch unregelmäßiger Tragerhythmus möglich (Freizeit, Sport)
- auch als so genannte „Tages-“, Wochen- und Monatslinse“ erhältlich (= bestimmte Haltbarkeit/Gebrauchsdauer)
- nicht für alle Fehlsichtigkeiten geeignet
- periodische augenärztliche Kontrollen besonders wichtig, da Komplikationen nicht so „spürbar“ wie bei der formstabilen Kontaktlinse sind.
Formstabile, hochgasdurchlässige Kontaktlinse (früher „Hartlinse“):
- kleiner als die Hornhaut
- fühlt sich beim Anfassen „hart“ an
- korrigieren auch stärkere Hornhautunregelmäßigkeiten (Astigmatismus oder Narben)
- idealer Tragekomfort nach wenigen Tagen der Gewöhnung
- regelmäßiger Tragerhythmus
- periodische augenärztliche Kontrolle
- für sichere, optimale Korrektur der Fehlsichtigkeit
- geringen Einfluss auf den Stoffwechsel (Sauerstoffversorgung) des Auges
- geringe Komplikationsquote
Ablauf einer Kontaktlinsenversorgung
Sie haben sich also entschlossen Ihren Sehfehler mit Hilfe von Kontaktlinsen zu korrigieren. Dies ist bei augenärztlicher Gesundheitsvorsorge dank moderner Linsenmaterialien und schonender Hygienesysteme in den meisten Fällen möglich.
1. Untersuchung und Gespräch
Bei der ersten Untersuchung stellt der Augenarzt fest, ob Ihr Sehfehler mit Kontaktlinsen korrigiert werden kann, und ob Kontaktlinsen für Ihre Augen geeignet sind. Gewisse Augenveränderungen (z.B. höhergradige oder rasch zunehmende Kurzsichtigkeit, unregelmäßige Hornhautkrümmung, größere Seitendifferenz des Brechfehlers) sind überhaupt nur mit Kontaktlinsen optimal zu korrigieren. Der erstrebte Verwendungszweck (Beruf, Sport, Hobbys) und Ihre persönlichen Vorstellungen helfen dabei, das für Sie passende System auszuwählen. Der Zustand Ihrer Augen und die augenärztliche Erfahrung bestimmen die endgültige Wahl. Eine später auftretende Unverträglichkeit kann aber nicht ausgeschlossen werden.
2. Anpassung
Zur Anpassung ist eine exakte Vermessung der Augenoberfläche erforderlich. Nach Anprobieren von entsprechenden Messlinsen mit Näherungswerten kann eine Feinabstimmung der Passeigenschaften am Spaltlampenmikroskop erfolgen. Hierbei wird insbesondere das Sitzverhalten, die Beweglichkeit sowie der Tränenfilm zwischen Kontaktlinse und Augenvorderfläche beurteilt. Durch das Probetragen lernen sie auch das Tragegefühl kennen. Abschließend muss noch die exakte Korrektionsstärke ermittelt werden und danach können Ihre persönlichen Kontaktlinsen bei einem geeigneten Hersteller angefertigt werden. So angepasste und eigens für Ihre Augen hergestellte Kontaktlinsen gewähren Ihnen eine bestmögliche Korrektur mit konstanter Sehschärfe verbunden mit dem größtmöglichen Maß an Sicherheit für medizinisch unbedenkliches, beschwerdefreies Tragen.
3. Handhabungstraining und Kontaktlinsenabgabe
Nach dem Eintreffen Ihrer persönlichen Kontaktlinsen wird ein "Übungstermin" zeitnah vereinbart. Sie lernen in aller Ruhe alle nötigen Handgriffe zum Einsetzen und Herausnehmen Ihrer Kontaktlinsen sowie die richtigen Hygieneschritte. Sie erhalten Sicherheits-Informationen sowie einen Kontaktlinsen-Sicherheitspass mit den wichtigsten Angaben Ihrer Kontaktlinsen. Ein paar Tage später wird nochmals das Passverhalten und die Sehschärfe geprüft, Sie haben Gelegenheit über Ihre ersten Erfahrungen zu berichten.
4. Der Verrechnungsmodus
Werden die Kontaktlinsen lediglich aus kosmetischen Gründen oder z. B. zur rein privaten Sportausübung gewünscht, wird die Anpassung als Privatleistung verrechnet (Selbstzahlerleistung). Sind Kontaktlinsen wegen besonderer Augenveränderungen medizinisch angezeigt, wird Ihre Krankenkasse eine Leistung erbringen. Über Möglichkeit der Kassenleistung und deren Höhe informieren wir Sie gerne im persönlichen Gespräch.
Die Kontaktlinse ist kein Fun-Artikel!
Über Gesundheitsbeilagen von Zeitungen, Illustrierte oder Werbung im Fernsehen wird die Vermarktung des Medizinproduktes Kontaktlinse mit Hochdruck betrieben. Dabei ist Absatzsteigerung um fast jeden Preis das vorrangige Ziel. Leider werden dabei die Gefahren, die von Kontaktlinsen ausgehen können verschwiegen. Lockangebote wie "Gratis Probetragen" oder "Testen Sie unsere Kontaktlinsen" haben mit seriösem Umgang mit dem Medizinprodukt nichts mehr gemeinsam. Auch im Internet gibt es unzählige Angebote von Kontaktlinsen, die meist nur nach der Brillenglasstärke bestellt werden. Unersetzlich ist nach wie vor die augenfachärztliche Untersuchung vor jeder Kontaktlinsenanpassung. Nur so können Augenkrankheiten festgestellt werden, die das Anpassen oder Tragen von Kontaktlinsen ausschließen. Der/die Kontaktlinsenträger/in muss nach der Anpassung und Kontaktlinsenabgabe in die richtige Handhabung und notwendigen Hygienemaßnahmen unterwiesen werden. Über mögliche Risken und das Verhalten im Falle von Beschwerden muss aufgeklärt werden. Nachfolgende Bilder zeigen, dass fehlende oder mangelhafte Aufklärung der Kontaktlinsenträger/innen böse Folgen haben können, vor allem, wenn ärztliche Hilfe nicht oder zu spät in Anspruch genommen wird.
![]() Größere Bindehautblutung bei Verletzung mit Fingernagel (ungeübtes Einsetzen) | ![]() Gefäßeinsprossung bei chronischem Sauerstoffmangel (zu eng sitzende Kontaktlinse) | ![]() Hornhautulkus (mangels Aufklärung wird die Kontaktlinse weiter getragen) | ![]() Toxische Reizung (Hygienemittelunverträglichkeit) | ![]() Narbe nach Hornhautulkus (Keratoplastik steht bevor) |
Die exakte, individuelle Anpassung von Kontaktlinsen ist also nicht nur für den Seherfolg, sondern auch für die gesunde Trageweise ausschlaggebend. Wir bieten Ihnen deshalb eine qualifizierte, augenfachärztliche Kontaktlinsenversorgung. Ungenau angepasste Kontaktlinsen führen oft erst nach einiger Zeit zu Reizerscheinungen, Sauerstoffmangel und damit Infektionsanfälligkeit und anderen Augenschäden, die Dauerfolgen bis zur Erblindung haben können. Dies gilt für alle Kontaktlinsen, also gerade auch für so genannte Tages- oder Monats-Kontaktlinsen.
Die „Jux-Kontaktlinsen“ mit aufgedrucktem Muster sind besonders problematisch, weil sie – auch nach kurzzeitigem Tragen – oft zu beträchtlichen Sehbehinderungen führen. Dies erhöht die Unfallgefahr Jugendlicher etwa nach einem Disco-Besuch drastisch. Leider sind bereits Unfälle mit fatalem Ausgang auf diesen Unfug zurückzuführen. Beim „Probetragen“ oder „Testen“ oder Verkauf über das Internet fehlt sowohl die persönliche Fachberatung als auch die fachgerechte Anpassung völlig.
Wir bieten Ihnen augenfachärztliche Kompetenz rund um die Kontaktlinse!
- gründliche fachärztliche Augenuntersuchung
- eingehende Untersuchung und Beratung rund um die Kontaktlinse
- Anpassen und Versorgen mit Kontaktlinsen aller Systeme
- Kontrolle und Nachsorge der Kontaktlinsenträger/innen
- Verträglichkeitsprüfungen über Jahre
- kompetente Intervention im Falle von Komplikationen
- Sicherheitsaufklärung und Handhabungstraining
- Hygieneschulung und Aufklärung über mögliche Risiken
Kontaktlinsenhygiene
Der Schlüssel für ein beschwerdefreies, erfolgreiches Tragen liegt in einer konsequenten und sorgfältigen Kontaktlinsenhygiene. Um Komplikationen am Auge zu vermeiden muss die Kontaktlinse nach dem Tragen sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden. Diese Hygienemaßnahmen sind wichtig weil sich während des Tragens Eiweiße, Fette Kohlenhydrate aus der Tränenflüssigkeit sowie abgeschilferte Zellen der Bindehaut und Hornhaut auf der Oberfläche der Kontaktlinse ablagern. Zudem finden sich Staub und Fremdkörperpartikel aus der Umwelt auf der Linsenoberfläche. Vor allem bei hydrophilen (weichen) Kontaktlinsen dringen auch wasserlösliche Substanzen in die Linsenmatrix ein. Alle diese Ablagerungen sind ein idealer Nährboden für Bakterien und Pilze. Ihr Augenarzt wird Sie auch hierbei beraten und entsprechend in die Handhabung einweisen.
Uneingeschränkt empfehlenswert für die Kontaktlinsenhygiene sind Hygiene-Produkte ohne Konservierungsstoffe, generell und insbesondere für Allergiker und Menschen mit empfindlichen Augen.
Bei diesen Produkten handelt es entweder um Peroxid-Lösungen (1. Präferenz), bei denen das Desinfektionsmittel [gegen Bakterien, Viren, Pilze] Wasserstoff-Peroxyd (H2O2) entweder enzymatisch (Neutralisation wird durch Rosafärbung angezeigt) oder durch einen Katalysator nach 6-8 Stunden neutralisiert wird, alternativ kommen auch spezielle All-in-One-Lösungen in Frage.
Sicherheitshinweise für Kontaktlinsenträger
- Tragedauer: Halten Sie die empfohlene tägliche Tragedauer unbedingt ein. Sie ist verschieden, sollte in der Regel jedoch 12 Stunden nicht überschreiten. Treten innerhalb dieser empfohlenen Tragezeit Beschwerden auf, nehmen Sie bitte die Linsen aus den Augen und kontaktieren Sie Ihre(n) Augenarzt/ärztin.
- Kontrolle: Augenärztliche Kontrolle: zweimal jährlich müssen ihre Augen vom Augenarzt/ärztin untersucht werden. Je früher Probleme oder Unverträglichkeiten erkannt werden, desto besser ist die Aussicht auf erfolgreiche Behandlung. Achten Sie unbedingt auf sichtbare Beschädigung Ihrer Kontaktlinsen (Riss, Bruch, Randkerben, Fremdkörpereinlagerungen) – das Tragen solcher Kontaktlinsen kann Ihr Auge schädigen!
- Hygiene: Befolgen Sie die Hygiene-Richtlinien genau. Waschen Sie die Hände vor jeder Berührung der Kontaktlinsen. Verwenden Sie zum Reinigen der Linsen nur die empfohlenen Hygiene-Produkte – Leitungswasser ist ungeeignet. Achten Sie auf peinliche Sauberkeit des Kontaktlinsen-Behälters. Unsaubere Behälter sind Brutstätte gefährlicher Keime – regelmäßiger Tausch ist zu empfehlen. Halten Sie auch genügend Pflegemittel (bei Tauschsystemen auch weitere Linsen) in Vorrat. Was tun bei
- Beschwerden: Bei Rötung, Schmerzen, Entzündung oder Brennen der Augen, sowie bei verstärktem Tränenfluss oder Sehverschlechterung dürfen Sie ihre Kontaktlinsen nicht tragen und müssen baldmöglichst eine(n) Augenarzt/ärztin aufsuchen.
(07.06.2026)
Okklusionstherapie
Die Okklusionstherapie wird hauptsächlich bei frühkindlichem Schielen, aber auch zur Verbesserung einer beispielsweise durch Brechkraftunterschiede beider Augen (Anisometropie) geminderten Sehschärfe eines Auges im frühen Kindesalter angewandt. Okklusion (v. lat. occludere= verschließen) heißt, das besser sehende Auge in bestimmten, vom Alter des Kindes abhängigen Intervallen abzukleben,
Durch das Abkleben des besser sehenden Auges wird das schlechter sehende „gezwungen“, aktiver am Sehakt teilzunehmen, um der Person eine möglichst gute visuelle Orientierung zu verschaffen; in der überwiegenden Zahl der Fälle kann auf diese Weise allmählich eine Sehverbesserung erreicht werden, häufig wird sogar bei Therapierfolg eine normale Sehschärfe erreicht, wobei ein möglichst früher Therapiebeginn Bedingung ist. Voraussetzung ist neben bestmöglicher Korrektion des Sehfehlers auch eine konsequente Durchführung der Okklusion. Die Erziehungsberechtigten müssen darüber aufgeklärt werden, dass eine solche Therapie u.U. über Jahre erforderlich sein kann. Bei erfolgreicher Verbesserung der Sehschärfe wird nach deren Stabilisierung die im zeitlichen Verlauf immer wieder anzupassende Okklusionstherapie stufenweise reduziert, bis sie schließlich ganz beendet werden kann.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Okklusionstherapie: die selten angewandte Penalisation, die Brillen-Okklusion und die Pflasterokklusion, wobei letztere am erfolgversprechendsten scheint.
Beispiele für Brillenokklusion: Quelle: Stetoskop.dk | Beispiele für Pflasterokklusion: Quelle: Augenärzte Wallisellen |














