Krankheitsbilder
![]() Quelle: Carl Zeiss | Zur Erklärung einer Fehlsichtigkeit stellen wir uns das Auge als eine einfache Fotokamera vor. Wir haben ein Objektiv. eine Blende, ein Kameragehäuse und einen lichtempfindlichen Film. Auf das Auge übertragen entsprächen dem Objektiv Hornhaut und Augenlinse, der Blende die Pupille, dem Gehäuse der Augapfel und dem Film die Netzhaut. |
Normalsichtigkeit Stimmt die Einstellung des optischen Apparates mit dem Abstand zur Netzhaut überein, sehen wir in der Ferne deutlich und scharf. Das Auge ist normalsichtig (emmetrop). | |
![]() Quelle: Carl Zeiss | Kurzsichtigkeit Ist der Augapfel zu lang oder die Brechkraft zu stark treffen die Lichtstrahlen vor der Netzhaut zusammen. Wir sehen in der Ferne unscharf, in der Nähe deutlich. Wir sind kurzsichtig (myop). |
![]() Quelle: Carl Zeiss | Weitsichtigkeit Ist der Augapfel zu kurz gebaut oder die Brechkraft zu schwach, vereinigen sich die Lichtstrahlen hinter der Netzhaut.. Ohne Korrektur oder Anspannung des Auges ist das Bild unscharf. Wir sind weitsichtig (hyperop). Wir können durch Anspannung des Auges (Akkomodation) gut sehen. |
![]() Die Strahlen werden nicht einheitlich fokussiert. Sie bündeln sich in verschiedenen Abständen zur Netzhaut: Stabsichtigkeit. Quelle: CibaVision | Stabsichtigkeit Bei der Stabsichtigkeit (Astigmatismus, Hornhautverkrümmung) liegt der optische Fehler häufig in der Hornhaut selten im Bereich der Augenlinse. Die Hornhaut oder Linse besitzt keine genaue kugelförmige Oberfläche. Sie ähnelt mehr der Oberfläche eines Hühnereies. Ein Lichtbündel wird nicht punktförmig sondern verzogen, eher stabförmig abgebildet. |
![]() Die Augenlinse hat zu wenig Brechkraft, die Lichtstrahlen treffen sich hinter der Netzhaut. Wir sehen in der Nähe unscharf: Alterssichtigkeit. Quelle: Carl Zeiss | Alterssichtigkeit Altersichtigkeit (Presbyopie) liegt vor, wenn in fortgeschrittenem Alter die Fähigkeit verloren geht im Nah- und Arbeitsbereich deutlich und scharf zu sehen. Die Augenlinse verliert ihre Elastizität und kann nicht mehr genügend zusätzliche Brechkraft aufbringen um auf kurze Entfernung scharf zustellen. |
Begriffe
- Längenfehlsichtigkeit: Hyperopie = Auge zu kurz, Myopie = Auge zu lang
- Brechwertfehlsichtigkeit: Hyperopie = Brechwert zu gering, Myopie = Brechwert zu groß
Vorsorge/Früherkennung
Frühzeitige augenärztliche Untersuchung ab etwa 1 Jahr. Ggf. auch früher, insbesondere bei Fehlsichtigkeit eines oder beider Elternteile, bei Schielen (Strabismus) und/oder Schwachsichtigkeit (Amblyopie) in der Familie, aber auch anderen familiär gehäuften Augenerkrankungen. Selbstverständlich auch möglichst früh bei auffälligen Veränderungen (z.B. „weisse“ Pupille (Symptom bei angeborenem Grauen Star (kongenitale Cataract) oder frühkindlichem intraokularem Tumor (Retinoblastom)). Im Idealfall werden auffällige Kleinkinder vom aufmerksamen Kinderarzt zur Klärung überwiesen.
Untersuchungsmethoden
Refraktionsbestimmung
Bedeutung der Sehschärfenbestimmung
Die Ermittlung der Korrektionsgläser zum Erzielen der bestmöglichen Sehschärfe ist außerordentlich wichtig nicht nur zur Brillenglasbestimmung sonder auch zur Beurteilung der Funktionsfähigkeit des Auges und in gutachterlicher Hinsicht. Säuglinge und Kleinkinder können bei einem Brechkraftfehler (Refraktionsanomalie) erst mit einer passenden Brillenkorrektur ihre beste Sehfähigkeit entwickeln. Wird die rechtzeitige Korrektur versäumt, bleibt eine nicht beeinflussbare Sehschwäche lebenslang bestehen. Wird keine optimale Sehschärfe erreicht, muss zur Diagnose einer möglichen Krankheit nach der Ursache geforscht werden.
Bestimmung der erforderlichen Korrektur
Der Patient sitzt in einer vorgeschriebenen Entfernung vor einer Sehprobentafel. Entweder sind die Sehzeichen aufgedruckt oder werden mit einem Projektor auf dieser Tafel dargestellt: Zahlen, Kinderbilder, E-Haken, Landoltringe. Für gutachterliche Untersuchungen ist der Untersuchungsplatz nach DIN-58220 eingerichtet, um unter gleichen Bedingungen Sehschärfenergebnisse miteinander vergleichen zu können.
Zunächst prüft man die Sehschärfe ohne Prüfgläser. Dann schaut der Prüfling durch eine Messbrille oder einen Apparat, der die verschiedenen Gläser vor das zu untersuchende Auge schiebt (Phoropter). Durch Hinzufügen und Wiederentfernen von Messgläsern (Minus- oder Pluslinsen) wird die optimale Sehschärfe ermittelt. Das Abfragen des Seheindruckes während einer Sehschärfenprüfung ist nicht immer einfach und verlangt von beiden – vom „Prüfer“ und „Prüfling“ – eine hohe Konzentration. Schließlich soll an Hand der ermittelten Refraktionswerte eine Brille angefertigt werden, die „passen“ muss.
Bestimmung der Fehlsichtigkeit bei Kindern
Bei Kindern und nicht kommunikationsfähigen Menschen kann eine Sehschärfenbestimmung nicht im Wechselgespräch erfolgen. In diesen Fällen können nur apparativ ermittelte Werte verwendet werden.
Definition der Glasstärke
Die Wirkung eines Glases ist durch seine Brennweite bestimmt. Der Kehrwert der Brennweite – in Meter gemessenen – ist die Dioptrienzahl (= Stärke des Glases), z.B. die Brennweite einer Sammellinse beträgt ¼ m, d.h. der Kehrwert von ¼ ist 4. Die Linse hat also eine Brechkraft von 4 Dioptrien
Brennweite der Linse: 25 cm
Entspricht: ¼ m
Kehrwert: 4
Also Brechkraft: 4 Dioptrien
Laserscanning-Ophthalmoskopie (LSO)
Ein diagnostisches bildgebendes Verfahren zur Untersuchung des Augenhintergrundes. Diese Methode ermöglicht eine hochauflösende ultrastrukturelle Bildgebung der Netzhaut, ohne dass eine medikamentöse Pupillenerweiterung erforderlich ist. Wichtige Anbieter von LSO (mit Weitwinkel- bzw. Ultraweitwinkelbildgebung) sind z.B: Eidon, Zeiss-meditec (Clarus) und Optos. Hier sind einige wichtige Punkte zur Laserscanning-Netzhautuntersuchung am Beispiel des Optomap-Gerätes, die Geräte anderer Hersteller bieten ähnliche Leistungen:
Vorteile:
- Keine Pupillenerweiterung: Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden erfordert die SLO keine Pupillenerweiterung.
- Fahrtauglichkeit bleibt erhalten: Die Untersuchung beeinträchtigt nicht die Fahrtüchtigkeit.
- Kurze Untersuchungsdauer: Die Aufnahme dauert nur wenige Sekunden.
- Geringste Fehlerquote: Optomap hat die geringste Fehlerquote bei der Erkennung von Netzhautveränderungen im Vergleich zu anderen Methoden.
- Ultra-Weitwinkel: Bis zu 200 Grad des Augenhintergrundes können in einer einzigen Aufnahme betrachtet werden.
- Klinisch validiert: In über 1000 klinischen Studien wurde die Wirksamkeit des Optomap-Geräts bestätigt.
- Früherkennung: ermöglicht die Früherkennung von Krankheiten oder Anomalien im hinteren Augenabschnitt.
Anwendungsgebiete:
- Diabetes mellitus: Erkennung von Netzhautveränderungen im Zusammenhang mit Diabetes.
- Arterieller Bluthochdruck: Auch Bluthochdruck kann am Auge sichtbar werden
- Kurzsichtigkeit (Myopie): nützlich für Myopie-Patienten.
- Medikamentöse Therapie: Bei Brustkrebs (Tamoxifen, Letrozol) oder rheumatoider Arthritis (Chloroquin).
- Kontrolle nach Netzhaut-Operationen oder Laserbehandlungen.
Die Laser-Scanning-Ophthalmoskopie spielt eine herausragende Rolle als diagnostisches Verfahren, zur Verlaufskontrolle und zur Therapieplanung. Bei Vorsorgeuntersuchungen kann frühzeitig festgestellt werden, ob Sie an einer Erkrankung der Netzhaut leiden, um rechtzeitig Maßnahmen zur Erhaltung Ihrer Sehkraft zu ergreifen. Die Laser-Scanning-Ophthalmoskopie ist eine Selbstzahlerleistung.
(letzte Aktualisierung 08-05-2026)



Behandlung/Operation
Myopie, Hyperopie, Astigmatismus
Fehlsichtigkeiten können mit folgenden Methoden korrigiert werden:
- Brille: Schon im Mittelalter wurden Fehlsichtigkeiten mit Brillen behandelt. Auch heute ist die Korrektur mittels einer Brille noch am weitesten verbreitet. Außer der Tatsache, dass man ständig auf seine Brille angewiesen ist, gibt es bei geringeren Fehlsichtigkeiten keine Nachteile.
- Spezielle Sehhilfen
- Kontaktlinsen: Ebenfalls sehr verbreitet und schon lange bekannt sind formstabile oder weiche Kontaktlinsen. Fehlsichtigkeiten können bis zu gewissen Grenzen sehr gut mit ihnen behandelt werden. In aller Regel werden sie gut vertragen, so dass unerwünschte Nebenwirkungen bei Beachtung der hygienischen Anforderungen selten sind.
- Orthokeratologie
- Operative Verfahren: Bereits seit ca. 100 Jahren werden auch operative Verfahren zur Behebung von Fehlsichtigkeiten erforscht. Alle bislang entwickelten Methoden waren aber zu ungenau, brachten unbefriedigende Ergebnisse und waren komplikationsträchtig. Erst die Entwicklung neuer Lasergeräte und die perfektionierte Herstellung von künstlichen Implantaten brachten eine deutliche Verbesserung.
Individuelle Brillen: Optimales Sehen in jeder Situation – in der Freizeit und im Beruf
Gutes Sehen durch die individuell angepaßte Brille fördert die Konzentration und wirkt der Ermüdung entgegen. Spezialbrillen, individuell auf bestimmte Sehentfernungen angepasst, sind im Berufsleben und in der Freizeit nicht mehr wegzudenken. Sie geben Sicherheit und erlauben ungetrübten Genuss in Freizeit und Hobby.
Schon im Mittelalter wurden Fehlsichtigkeiten mit Brillen behandelt. Auch heute ist die Korrektur mittels einer Brille noch am weitesten verbreitet. Außer der Tatsache, dass man ständig auf seine Brille angewiesen ist, gibt es bei geringeren Fehlsichtigkeiten keine Nachteile.
![]() Quelle: Carl Zeiss | Kurzsichtigkeit Bei Kurzsichtigenwerden Gläser mit zerstreuender Wirkung (Minusgläser) eingesetzt. Diese Gläser sind am Rande dicker als in der Mitte. |
![]() Quelle: Carl Zeiss | Weitsichtigkeit und Stabsichtigkeit Bei Weitsichtigen Sammelgläser (Plusgläser).Diese Gläser sind in der Mitte dick, am Rande dünn (Bild links). Bei Stabsichtigkeit Zylindergläser, die in einer bestimmten Position (Achslage) die Brechkraft beeinflussen. |
![]() Quelle: Carl Zeiss | Alterssichtigkeit Bei Alterssichtigkeit bestimmt man zunächst die Fernsicht und danach erst die Nahsicht. Es wird nur die Brechkraft ergänzt ,die zum bequemen Sehen in der vorgegebenen Nahsehentfernung notwendig ist. Die Stärke der Nahbrille richtet sich nach dem Lebensalter und der gewünschten Lese-(Arbeits)entfernung. |
Brillenglastypen
- Einstärkengläser: Für Fernbereich und verschiedene Nahabstände. Gläser zum Ausgleich von Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Alterssichtigkeit und Stabsichtigkeit.
- Mehrstärkengläser: Kombiniert für Fern- und Nahbereich als Zweistärken-, Dreistärken- oder Gleitsichtgläser
![]() Bifokal | ![]() Trifokal |
- Gleitsichtgläser: Mit weichem, stufenlosem Übergang vom Fern- über den Mittel- in den Nahbereich Anwendung im Alltag, am PC, im Büro und spezielle Tätigkeiten. Hier sehen Sie die graphische Darstellung eines Gleitsichtglases: Oberer Bereich dunkelblau für die Ferne Weicher Übergang in hellblau für den Mittelbereich Unterer Bereich grüngelb für den Nahbereich.
![]() Quelle: Carl Zeiss | ![]() Sonnenschutz-Filterglas |
Glasmaterial und Veredelungen
Die verschiedenen Gläser können in Kunststoff (organisch) oder in Glas (mineralisch) hergestellt werden. Entspiegelung (Reflexminderung), Tönung, Sonnenschutzgläser in diversen Ausführungen werden angeboten. Je nach Befund und therapeutischer Notwendigkeit werden Prismengläser eingefügt. Diese Gläser beeinflussen die Blickrichtung.
Spezielle Sehhilfen
Das menschliche Auge hat ein begrenztes Auflösungsvermögen. Reicht dieses nicht mehr aus, benutzen wir Hilfsmittel, für weit entfernte Dinge ein Fernrohr, für sehr kleine Gegenstände eine Lupe oder ein Mikroskop. Sehbehinderte Menschen benutzen diese Hilfsmittel, um ihre Funktionseinschränkung auszugleichen. Auch im Berufsleben oder bei Freizeitbeschäftigungen können vergrößernde Sehhilfen eingesetzt werden. Der Begriff Sehschwäche beschreibt nach DIN 5340-376 allgemein Funktionsminderung im visuellen System.
Klassifizierung der Sehbehinderung nach dem Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 25 „Sehhilfen“:
- Fernvisus < 0.8 bis > 0,3: Geringradige Sehbehinderung
- Fernvisus <= 0,3 bis > 0,05: Mittelgradige Sehbehinderung
- Fernvisus <= 0,05 bis > 0,02: Hochgradige Sehbehinderung
- Fernvisus <= 0,02: Blindheit
Bei einer Sehschärfe 0,4 und weniger kann Zeitungsdruck ohne zusätzliche Sehhilfe nicht mehr bequem gelesen werden. Die Ursachen der Sehbehinderung beruhen in vielen Fällen auf Veränderungen in der Netzhaut. Dort – speziell im Bereich der Netzhautmitte (Macula, Gelber Fleck) – gehen durch erworbene, altersbedingte oder angeborene Krankheiten Sinneszellen (Zapfen) der Netzhaut verloren. Das notwendige Leseareal der Netzhautmitte ist beschädigt. (Maculadegeneration).
Um Zeitungsdruck lesen zu können, muss eine Vergrößerung hergestellt werden, die einer Sehschärfe von mindestens 0,4 entspricht. Der erforderliche Vergrößerungsbedarf wird mit geeigneten Lesetafeln ermittelt. Zur vergrößerten Darstellung eines Gegenstandes können wir den Leseabstand verkürzen. Wegen eingeschränkter Naheinstellung und begrenztem Auflösungsvermögen benötigen wir geeignete Lupen oder Lupensysteme.
Je höher der Vergrößerungseffekt um so kleiner das Sehfeld. Dies bedeutet weniger Übersicht für längere Wörter. Der Lesefluss leidet oder ist nicht mehr möglich. Die bestmögliche Lupe muss erprobt werden.
Beispiele für verschiedene Hilfsmittel: Nahbrillen mit stärkeren Plusgläsern, Lupenbrillen, Lupen, Fernrohrbrillen:
Nahbrillen mit stärkeren Plusgläsern, Lupenbrillen (z.B. + 5 Dioptrien zum Lesen auf 20 cm Abstand)
![]() Verstärkte Nahbrillen, Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Aufstecksystem auf vorhandene Lesebrille, Quelle: Schweizer-Optik |
Lupen
![]() Einfache Handlupe, Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Standlupe mit guter Abbildungsqualität, Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Lupe mit Beleuchtung und festem Abstand sowie abgeschrägter Auflage für bequemeres Lesen, Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Lupe mit Beleuchtung und festem Abstand, Quelle: Schweizer-Optik |
![]() Leseglas zum direktem Auflegen auf den Lesetext mit „Lichtverstärkereffekt“ sowie abgeschrägter Auflage für bequemeres Lesen, Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Leseglas im praktischem Einsatz, Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Ein Lesepult erleichtert das Lesen mit Lupen. Die Stärke der Lesebrille muss beachtet werden, Quelle: Schweizer-Optik |
Fernrohrsysteme
Weitere Hilfen sind Fernrohrsysteme (Typ Galilei, Kepler) in Verbindung mit Aufstecklupen für den Nahbereich. Beispiele für ein Galilei-System, leicht, kurze Baulänge:
![]() Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Quelle: Schweizer-Optik |
Einsatz von Fernrohrlupensystemen im Nahbereich
![]() Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Quelle: Carl Zeiss | ![]() Quelle: Schweizer-Optik |
Spezielle Sehhilfen für Freizeit und Beruf
Der Anpassung und Erprobung vergrößernder Sehhilfen geht immer eine genaue Untersuchung und Befragung voraus. Die bestmögliche Brille für die Ferne und die Nähe im üblichen Sehabstand wird ermittelt. Das zur Verfügung stehende Gesichtsfeld wird erfasst. Das sehfähige Netzhautareal wird untersucht. Die Krankheitsgeschichte (Anamnese) wird genau erhoben sowie nach den sozialen Lebensgewohnheiten gefragt. Wozu soll die Vergrößernde Sehhilfe eingesetzt werden (Schule, Studium, Ausbildung Berufausübung).Alte Lesegewohnheiten und ehemalige Berufsausübungen sind wichtig.
Der Zeitaufwand ist für alle Beteiligten groß. In einer Sitzung allein ist selten das geeignete Instrument gefunden. Bei allen theoretischen Vorüberlegungen muss mit geeigneten Lesehilfen geübt und getestet werden. Der Anpasser unterstützt und hilft bei der Suche des geeigneten Mittels. Die einfachste Technik mit dem geringsten Aufwand ist die beste. Jüngere Sehbehinderte kommen mit komplizierteren Hilfsmitteln besser zurecht als ältere. Gute geeignete Beleuchtung an einem "Leseplatz", sowie ein Lesepult unterstützen die Lesearbeit.
Einsatz von vergrößernden Sehhilfen im Beruf:
![]() Quelle: Schweizer-Optik | ![]() Quelle: Carl Zeiss |
Die Stärke einer notwendigen Lesebrille muss bei der Anpassung Berücksichtigung finden. Der Abstand zum Beobachten eines Fernsehschirmes mit Hilfe eines Fernrohrsystems muss beachtet werden Die Wahl des geeigneten Gerätes hängt natürlich vom notwendigen Vergrößerungsaufwand ab. Können optisch technische Verfahren keine ausreichende Leseunterstützung bieten, kommen elektronische Hilfsmittel zum Einsatz. Mit dieser Technik können sehr hohe Vergrößerungsfaktoren erzielt werden. Sogenannte Fernsehlesegeräte erschließen den sehbehinderten Menschen neue Lebensperspektiven. Mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung und digitaler Aufnahmetechniken lassen sich komplette Arbeitsplätze für Sehbehinderte einrichten.
Handliche elektronische Lupe im täglichem Einsatz
![]() Quelle: Reinecker Reha-Technik | ![]() Quelle: Reinecker Reha-Technik |
Handkamera mit Flachbildschirm, Schreibstativ und möglichem Wechsel zur Tastatur
![]() Quelle: Reinecker Reha-Technik | ![]() Quelle: Reinecker Reha-Technik | ![]() Quelle: Reinecker Reha-Technik |
Modernes Lesegerät mit Flachbildschirm, erweiterbar mit Stativ- und Handkamera
![]() Quelle: Reinecker Reha-Technik | ![]() Quelle: Reinecker Reha-Technik | ![]() Wechsel zur EDV-Tastatur, Quelle: Reinecker Reha-Technik | ![]() Ergänzung mit einer „Raumkamera, Quelle: Reinecker Reha-Technik“ |
Herkömmliches Bildschirmlesegerät mit Bildröhre
![]() Quelle: Reinecker Reha-Technik |
Voraussetzung zur Verordnung von Vergrößernden Sehhilfen
Unter bestimmten Bedingungen können diese Hilfsmittel verordnet werden (geregelt im Bundessozialhilfegesetz) als Eingliederungshilfen bei wesentlichen Behinderungen. Nach dem V.-Sozialgesetzbuch muss die Verordnung „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein und darf „das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“. Nur die geeignete Sehhilfe unterstützt den Sehbehinderten. Hinweise auf Handhabungsfehler verbessern die Nutzung der Geräte. Angehörige können Hilfestellungen geben.
Kontaktlinsen – die unsichtbare Brille
Glücklich, wer auch ohne Korrektur ein optimales Sehvermögen besitzt. Fehlsichtigkeit ist aber kein Problem. Dank Brille erleben kurz- oder weitsichtige Menschen Ihre Umwelt klar und deutlich. Manchmal stört sie allerdings. Sie beschlägt, verbiegt sich, wird beschädigt oder geht gar verloren. Die Alternative sind von Ihrem Augenarzt individuell angepasste Kontaktlinsen. Sie erleichtern das Sehen in vielen Situationen und sind leicht zu handhaben.
Wozu Kontaktlinsen?
Sie …
- ermöglichen natürliches Sehen ohne störende Gesichtsfeldeinengung
- ersetzen die manchmal als lästig empfundene Brille.
- geben Ihnen Sicherheit in der Freizeit und beim Sport.
- verhelfen oft zu voller Sehschärfe, wenn bei Sehfehlern die Korrektur mit Hilfe einer Brille nicht möglich ist
- ermöglichen Patienten mit Sehfehlern oft erst eine normale Berufsausübung
- sind in besonderen Fällen medizinisch notwendig und werden dann von der Krankenkasse durch einen Festbetrag unterstützt. Wir beraten Sie gerne und helfen Ihnen beim Antrag auf Kostenübernahme.
Auswahl der Kontaktlinse?
Der Markt bietet heute eine Vielzahl verschiedener Kontaktlinsen. Die wesentlichen Unterschiede bestehen in Material, Größe, Oberflächengestaltung, Anwendungsbereich und Tragemodus.
Weiche flüssigkeitshaltige (hydrophile) Kontaktlinse („Weichlinse“):
- größer als die Hornhaut
- fühlt sich beim Anfassen „weich“ an
- spontaner Tragekomfort
- auch unregelmäßiger Tragerhythmus möglich (Freizeit, Sport)
- auch als so genannte „Tages-“, Wochen- und Monatslinse“ erhältlich (= bestimmte Haltbarkeit/Gebrauchsdauer)
- nicht für alle Fehlsichtigkeiten geeignet
- periodische augenärztliche Kontrollen besonders wichtig, da Komplikationen nicht so „spürbar“ wie bei der formstabilen Kontaktlinse sind.
Formstabile, hochgasdurchlässige Kontaktlinse (früher „Hartlinse“):
- kleiner als die Hornhaut
- fühlt sich beim Anfassen „hart“ an
- korrigieren auch stärkere Hornhautunregelmäßigkeiten (Astigmatismus oder Narben)
- idealer Tragekomfort nach wenigen Tagen der Gewöhnung
- regelmäßiger Tragerhythmus
- periodische augenärztliche Kontrolle
- für sichere, optimale Korrektur der Fehlsichtigkeit
- geringen Einfluss auf den Stoffwechsel (Sauerstoffversorgung) des Auges
- geringe Komplikationsquote
Ablauf einer Kontaktlinsenversorgung
Sie haben sich also entschlossen Ihren Sehfehler mit Hilfe von Kontaktlinsen zu korrigieren. Dies ist bei augenärztlicher Gesundheitsvorsorge dank moderner Linsenmaterialien und schonender Hygienesysteme in den meisten Fällen möglich.
1. Untersuchung und Gespräch
Bei der ersten Untersuchung stellt der Augenarzt fest, ob Ihr Sehfehler mit Kontaktlinsen korrigiert werden kann, und ob Kontaktlinsen für Ihre Augen geeignet sind. Gewisse Augenveränderungen (z.B. höhergradige oder rasch zunehmende Kurzsichtigkeit, unregelmäßige Hornhautkrümmung, größere Seitendifferenz des Brechfehlers) sind überhaupt nur mit Kontaktlinsen optimal zu korrigieren. Der erstrebte Verwendungszweck (Beruf, Sport, Hobbys) und Ihre persönlichen Vorstellungen helfen dabei, das für Sie passende System auszuwählen. Der Zustand Ihrer Augen und die augenärztliche Erfahrung bestimmen die endgültige Wahl. Eine später auftretende Unverträglichkeit kann aber nicht ausgeschlossen werden.
2. Anpassung
Zur Anpassung ist eine exakte Vermessung der Augenoberfläche erforderlich. Nach Anprobieren von entsprechenden Messlinsen mit Näherungswerten kann eine Feinabstimmung der Passeigenschaften am Spaltlampenmikroskop erfolgen. Hierbei wird insbesondere das Sitzverhalten, die Beweglichkeit sowie der Tränenfilm zwischen Kontaktlinse und Augenvorderfläche beurteilt. Durch das Probetragen lernen sie auch das Tragegefühl kennen. Abschließend muss noch die exakte Korrektionsstärke ermittelt werden und danach können Ihre persönlichen Kontaktlinsen bei einem geeigneten Hersteller angefertigt werden. So angepasste und eigens für Ihre Augen hergestellte Kontaktlinsen gewähren Ihnen eine bestmögliche Korrektur mit konstanter Sehschärfe verbunden mit dem größtmöglichen Maß an Sicherheit für medizinisch unbedenkliches, beschwerdefreies Tragen.
3. Handhabungstraining und Kontaktlinsenabgabe
Nach dem Eintreffen Ihrer persönlichen Kontaktlinsen wird ein "Übungstermin" zeitnah vereinbart. Sie lernen in aller Ruhe alle nötigen Handgriffe zum Einsetzen und Herausnehmen Ihrer Kontaktlinsen sowie die richtigen Hygieneschritte. Sie erhalten Sicherheits-Informationen sowie einen Kontaktlinsen-Sicherheitspass mit den wichtigsten Angaben Ihrer Kontaktlinsen. Ein paar Tage später wird nochmals das Passverhalten und die Sehschärfe geprüft, Sie haben Gelegenheit über Ihre ersten Erfahrungen zu berichten.
4. Der Verrechnungsmodus
Werden die Kontaktlinsen lediglich aus kosmetischen Gründen oder z. B. zur rein privaten Sportausübung gewünscht, wird die Anpassung als Privatleistung verrechnet (Selbstzahlerleistung). Sind Kontaktlinsen wegen besonderer Augenveränderungen medizinisch angezeigt, wird Ihre Krankenkasse eine Leistung erbringen. Über Möglichkeit der Kassenleistung und deren Höhe informieren wir Sie gerne im persönlichen Gespräch.
Die Kontaktlinse ist kein Fun-Artikel!
Über Gesundheitsbeilagen von Zeitungen, Illustrierte oder Werbung im Fernsehen wird die Vermarktung des Medizinproduktes Kontaktlinse mit Hochdruck betrieben. Dabei ist Absatzsteigerung um fast jeden Preis das vorrangige Ziel. Leider werden dabei die Gefahren, die von Kontaktlinsen ausgehen können verschwiegen. Lockangebote wie "Gratis Probetragen" oder "Testen Sie unsere Kontaktlinsen" haben mit seriösem Umgang mit dem Medizinprodukt nichts mehr gemeinsam. Auch im Internet gibt es unzählige Angebote von Kontaktlinsen, die meist nur nach der Brillenglasstärke bestellt werden. Unersetzlich ist nach wie vor die augenfachärztliche Untersuchung vor jeder Kontaktlinsenanpassung. Nur so können Augenkrankheiten festgestellt werden, die das Anpassen oder Tragen von Kontaktlinsen ausschließen. Der/die Kontaktlinsenträger/in muss nach der Anpassung und Kontaktlinsenabgabe in die richtige Handhabung und notwendigen Hygienemaßnahmen unterwiesen werden. Über mögliche Risken und das Verhalten im Falle von Beschwerden muss aufgeklärt werden. Nachfolgende Bilder zeigen, dass fehlende oder mangelhafte Aufklärung der Kontaktlinsenträger/innen böse Folgen haben können, vor allem, wenn ärztliche Hilfe nicht oder zu spät in Anspruch genommen wird.
![]() Größere Bindehautblutung bei Verletzung mit Fingernagel (ungeübtes Einsetzen) | ![]() Gefäßeinsprossung bei chronischem Sauerstoffmangel (zu eng sitzende Kontaktlinse) | ![]() Hornhautulkus (mangels Aufklärung wird die Kontaktlinse weiter getragen) | ![]() Toxische Reizung (Hygienemittelunverträglichkeit) | ![]() Narbe nach Hornhautulkus (Keratoplastik steht bevor) |
Die exakte, individuelle Anpassung von Kontaktlinsen ist also nicht nur für den Seherfolg, sondern auch für die gesunde Trageweise ausschlaggebend. Wir bieten Ihnen deshalb eine qualifizierte, augenfachärztliche Kontaktlinsenversorgung. Ungenau angepasste Kontaktlinsen führen oft erst nach einiger Zeit zu Reizerscheinungen, Sauerstoffmangel und damit Infektionsanfälligkeit und anderen Augenschäden, die Dauerfolgen bis zur Erblindung haben können. Dies gilt für alle Kontaktlinsen, also gerade auch für so genannte Tages- oder Monats-Kontaktlinsen.
Die „Jux-Kontaktlinsen“ mit aufgedrucktem Muster sind besonders problematisch, weil sie – auch nach kurzzeitigem Tragen – oft zu beträchtlichen Sehbehinderungen führen. Dies erhöht die Unfallgefahr Jugendlicher etwa nach einem Disco-Besuch drastisch. Leider sind bereits Unfälle mit fatalem Ausgang auf diesen Unfug zurückzuführen. Beim „Probetragen“ oder „Testen“ oder Verkauf über das Internet fehlt sowohl die persönliche Fachberatung als auch die fachgerechte Anpassung völlig.
Wir bieten Ihnen augenfachärztliche Kompetenz rund um die Kontaktlinse!
- gründliche fachärztliche Augenuntersuchung
- eingehende Untersuchung und Beratung rund um die Kontaktlinse
- Anpassen und Versorgen mit Kontaktlinsen aller Systeme
- Kontrolle und Nachsorge der Kontaktlinsenträger/innen
- Verträglichkeitsprüfungen über Jahre
- kompetente Intervention im Falle von Komplikationen
- Sicherheitsaufklärung und Handhabungstraining
- Hygieneschulung und Aufklärung über mögliche Risiken
Kontaktlinsenhygiene
Der Schlüssel für ein beschwerdefreies, erfolgreiches Tragen liegt in einer konsequenten und sorgfältigen Kontaktlinsenhygiene. Um Komplikationen am Auge zu vermeiden muss die Kontaktlinse nach dem Tragen sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden. Diese Hygienemaßnahmen sind wichtig weil sich während des Tragens Eiweiße, Fette Kohlenhydrate aus der Tränenflüssigkeit sowie abgeschilferte Zellen der Bindehaut und Hornhaut auf der Oberfläche der Kontaktlinse ablagern. Zudem finden sich Staub und Fremdkörperpartikel aus der Umwelt auf der Linsenoberfläche. Vor allem bei hydrophilen (weichen) Kontaktlinsen dringen auch wasserlösliche Substanzen in die Linsenmatrix ein. Alle diese Ablagerungen sind ein idealer Nährboden für Bakterien und Pilze. Ihr Augenarzt wird Sie auch hierbei beraten und entsprechend in die Handhabung einweisen.
Uneingeschränkt empfehlenswert für die Kontaktlinsenhygiene sind Hygiene-Produkte ohne Konservierungsstoffe, generell und insbesondere für Allergiker und Menschen mit empfindlichen Augen.
Bei diesen Produkten handelt es entweder um Peroxid-Lösungen (1. Präferenz), bei denen das Desinfektionsmittel [gegen Bakterien, Viren, Pilze] Wasserstoff-Peroxyd (H2O2) entweder enzymatisch (Neutralisation wird durch Rosafärbung angezeigt) oder durch einen Katalysator nach 6-8 Stunden neutralisiert wird, alternativ kommen auch spezielle All-in-One-Lösungen in Frage.
Sicherheitshinweise für Kontaktlinsenträger
- Tragedauer: Halten Sie die empfohlene tägliche Tragedauer unbedingt ein. Sie ist verschieden, sollte in der Regel jedoch 12 Stunden nicht überschreiten. Treten innerhalb dieser empfohlenen Tragezeit Beschwerden auf, nehmen Sie bitte die Linsen aus den Augen und kontaktieren Sie Ihre(n) Augenarzt/ärztin.
- Kontrolle: Augenärztliche Kontrolle: zweimal jährlich müssen ihre Augen vom Augenarzt/ärztin untersucht werden. Je früher Probleme oder Unverträglichkeiten erkannt werden, desto besser ist die Aussicht auf erfolgreiche Behandlung. Achten Sie unbedingt auf sichtbare Beschädigung Ihrer Kontaktlinsen (Riss, Bruch, Randkerben, Fremdkörpereinlagerungen) – das Tragen solcher Kontaktlinsen kann Ihr Auge schädigen!
- Hygiene: Befolgen Sie die Hygiene-Richtlinien genau. Waschen Sie die Hände vor jeder Berührung der Kontaktlinsen. Verwenden Sie zum Reinigen der Linsen nur die empfohlenen Hygiene-Produkte – Leitungswasser ist ungeeignet. Achten Sie auf peinliche Sauberkeit des Kontaktlinsen-Behälters. Unsaubere Behälter sind Brutstätte gefährlicher Keime – regelmäßiger Tausch ist zu empfehlen. Halten Sie auch genügend Pflegemittel (bei Tauschsystemen auch weitere Linsen) in Vorrat. Was tun bei
- Beschwerden: Bei Rötung, Schmerzen, Entzündung oder Brennen der Augen, sowie bei verstärktem Tränenfluss oder Sehverschlechterung dürfen Sie ihre Kontaktlinsen nicht tragen und müssen baldmöglichst eine(n) Augenarzt/ärztin aufsuchen.
(07.06.2026)
Orthokeratologie
Zeitlich begrenzte Möglichkeit der Korrektur von Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung durch nächtliches Tragen neuartiger Korrekturlinsen
Korrekturprinzip
Das nächtliche Tragen spezieller formstabiler Kontaktlinsen beeinflusst die Hornhautoberfläche ,so dass das Sehen für einen begrenzten Zeitraum (bis zu 16 Stunden und länger) ohne Brille möglich ist. Dieser Effekt tritt teilweise bereits nach der ersten Nacht ein. Je nach Korrekturanforderung wird die volle Sehfähigkeit nach ca. 3-12 Nächten erreicht. So ist es möglich, dass Menschen mit einer Kurzsichtigkeit bis ca. – 4,5 Dpt und einer Hornhautverkrümmung bis 1,5 Dpt tagsüber ohne Brille und Kontaktlinsen auskommen. Die Korrekturlinsen werden jährlich ausgetauscht.
Wie sicher und empfehlenswert sind solche Kontaktlinsen? Hierzu bemerkt die Deutsche Augenärztliche Kontaktlinsen Gesellschaft: Das System ist verblüffend wirkungsvoll, das Konzept überzeugend. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich an Ihren Augenarzt. Doe Orthokeratologie ist eine Selbstzahlerleistung.
Refraktive Chirurgie (operative Behandlung von Fehlsichtigkeit)
Unter der Bezeichnung „Refraktive Chirurgie“ werden alle Eingriffe zusammengefasst, die die Brechkraft des Auges (Refraktion) verändern. Dazu zählen Laseroperationen wie die Photorefraktive Keratektomie (PRK), LASIK, LASEK und (ReLEx-)SMILE, aber auch der Refraktive Linsenaustausch (RLA oder CLE) und die Phake-IOL-Verfahren (PIOL).
Hier kann wiederum unterschieden werden zwischen refraktiven Eingriffen
- mittels Laserchirurgie, bei der der Excimer-Laser, inzwischen häufiger der noch präzisere und durch die extrem kurzen Impulse (eine Femtosekunde ist der millionste Teil einer milliardstel Sekunde, d.h. in einer Femtosekunde legt selbst Licht nur den dreihundertsten Teil eines Haardurchmessers zurück) gewebeschonendere Femtosekundenlaser Anwendung findet.
- und mittels Linsenverfahren
Zu den refraktiven Laserverfahren:
- Photorefraktive Keratektomie (PRK bzw. LASEK und Trans-PRK): Bei der PRK bzw. LASEK wird die oberste Zellschicht der Hornhaut, das sogenannte Epithel, entfernt (PRK) bzw. abgelöst und vorübergehend zur Seite geschoben (LASEK). Danach wird mit dem Excimer Laser die Hornhautoberfläche behandelt. Das Epithel bildet sich neu (PRK) bzw. wächst wieder fest an (LASEK), so dass die oberflächliche Wunde nach einigen Tagen verheilt ist. Nachteile der PRK: langsame Heilung sowie das Auftreten von teilweise erheblichen Schmerzen nach der Operation. Bei PRK und LASEK können Hornhauttrübungen auftreten, die nicht mehr zu beheben sind, allerdings in den meisten Fällen subjektiv nicht stören. Die PRK wird seit 1986 angewandt zur Korrektur der Kurzsichtigkeit bis ca. -6 Dioptrien und des Astigmatismus bis ca. 3 Dioptrien. Bis zu diesen Grenzen ist sie wissenschaftlich anerkannt. Die PRK wird heute meist als Trans-PRK, eine Variante der PRK, durchgeführt, bei der das Epithel nicht mechanisch, sondern mit Laser abgetragen wird.
- Laser-in-situ-Keratomileusis (LASIK): Bei der LASIK wird in einem ersten Schritt mit einem automatischen Präzisionsmesser eine 0,16 mm dicke Schicht der Hornhaut präpariert und wie ein Deckel zur Seite geklappt. Die eigentliche Laserbehandlung erfolgt nun im Inneren der Hornhaut. Danach wird die Hornhautlamelle wieder zurückgeklappt. Sie saugt sich von selbst wieder fest und muss nicht angenäht werden. Der Vorteil der LASIK gegenüber der PRK besteht darin, dass die Oberfläche der Hornhaut nicht zerstört wird. Die Narbenbildung nach LASIK ist deutlich geringer, Nach der Operation treten in aller Regel keine Schmerzen, sondern nur für wenige Stunden ein gewisses Fremdkörpergefühl mit Tränenfluss auf. Auch wird oft bereits am Tag nach der Operation eine gute Sehschärfe erreicht. Die LASIK wird seit 1990 zur Korrektur der Kurzsichtigkeit, des Astigmatismus und inzwischen auch der Weitsichtigkeit verwendet. Bis zu ca. -10 Dioptrien Kurzsichtigkeit und bis 3 Dioptrien Astigmatismus ist das Verfahren wissenschaftlich anerkannt.
- SMILE (Small incision lenticule extraction): Hierbei wird mit dem Femto-Laser im Hornhautstroma ein Lentikel sowie ein kleiner peripherer Zugang angelegt durch den das linsenförmige Gewebeteil (Lentikel) entfernt werden kann. Vorteile: Femtosekundenlaser sind dafür ausgelegt, die oberen Schichten der Hornhaut zu durchdringen, ohne diese dabei zu verletzen, und ein Lentikel in nur einer bestimmten Unterschicht in der Hornhaut zu erzeugen. Das bedeutet:
- Dank eines sehr kleinen Schnitts (unter 4 mm) auf der Augenoberfläche unterstützt SMILE minimalinvasive Verfahren
- Die äußere Hornhautschicht muss nicht entfernt werden
- Hornhautnerven, die Tränendrüsen stimulieren, sind weniger betroffen und können das Auge weiterhin feucht halten. Nebenwirkungen wie trockene Augen sind bei SMILE selten
- Die Hornhautstabilität bleibt erhalten, da die obere Hornhautschicht praktisch unberührt bleibt. SMILE-Augenlaserbehandlung (zeiss.de).
Die Einstufung eines Verfahrens als „wissenschaftlich anerkannt“ erfolgt nach strengen Kriterien: „Ein Verfahren wird als wissenschaftlich anerkannt bezeichnet, wenn die Vor- und Nachteile dieses Verfahrens weitestgehend bekannt sind, der Anwendungsbereich klar umschrieben werden kann, und Langzeitergebnisse vorliegen, die Spätkomplikationen unwahrscheinlich erscheinen lassen.“ (Zitat aus den Richtlinien der Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)).
Für wen kommt die LASIK-Behandlung mit dem Laser in Frage?
- Brillenwerte sollten längere Zeit unverändert sein
- Kurzsichtigkeiten bis ca -10 Dioptrien
- Astigmatismus bis ca 3 Dioptrien
- Hyperopien bis ca +5 Dioptrien (noch nicht wissenschaftlich anerkannt)
- Kontaktlinsenunverträglichkeit
- Berufliche, kosmetische oder auch rein private Gründe
Für wen kommt die Laser-Behandlung nicht in Frage?
- Personen unter 18 Jahre
- Brillenwerte ändern sich noch laufend
- Chronisch fortschreitende Hornhauterkrankungen, z.B. Keratokonus
- Grauer Star (Katarakt)
- Allgemeinerkrankungen, die mit Heilungsstörungen einhergehen, z.B. Rheuma, Diabetes
- Systemische Immunerkrankungen (z.B. Lupus erythematodes)
Wie läuft die Behandlung mit dem Laser ab?
Voruntersuchungen: In jedem Fall erfolgt eine Untersuchung der Augen, um zunächst abzuklären, ob sie organisch gesund und damit für eine Laserbehandlung geeignet sind. Vor allem die Topographie (Messung der Hornhautoberfläche ) und die Messung der Hornhautdicke sind wichtige Untersuchungen. Vor diesen Untersuchungen müssen Kontaktlinsenträger eine Tragepause von einigen Tagen bis Wochen einlegen. Daneben gibt es eine Reihe von weiteren Untersuchungen, die der Augenarzt durchführen muss. Auch ein intensives Gespräch über die Erwartungen des Patienten, das erreichbare Ergebnis, die notwendige Nachbehandlung bis hin zu möglichen Risiken ist sehr wichtig.
Die LASIK -Behandlung mit dem Laser: Die Behandlung erfolgt ambulant und wird unter Tropfanästhesie schmerzfrei durchgeführt. Die Daten der Voruntersuchung werden in einen Computer eingegeben, dieser wiederum steuert den Laser. Nach Einsetzen eines Lidsperrers wird das Hornhautdeckelchen, der sog. Flap mit einem automatischen Präzisionsmesser geschnitten. Danach trägt der Laser schmerz- und berührungsfrei entsprechend der Fehlsichtigkeit Hornhautgewebe ab und schleift quasi die Brille in die zentrale Hornhaut mit einem Radius von 6-7 mm ein. Dabei verfolgt er ständig auch kleinste Blickbewegungen und bleibt so permanent auf der Hornhaut zentriert. Zusätzlich kontrolliert der Augenarzt die Operation durch das Operationsmikroskop. Nach der Laserbehandlung, die oft nur 30 Sekunden dauert, wird der Flap zurückgeklappt und saugt sich ohne Naht wieder in seiner alten Position fest.
Nachbehandlung und Heilungsprozess: Nach der Operation wird das Auge nochmals untersucht und erhält danach eine Schutzklappe. Selbstständiges Fahren nach der Operation ist nicht möglich! In den ersten Stunden nach der Operation tränt und reibt das Auge, das Sehen ist verschwommen, starke Schmerzen treten normalerweise nicht auf. Die Schutzklappe wird am Tag nach der Operation entfernt, es erfolgt auch die erste augenärztliche Kontrolle. Die weiteren Kontrollen und Gabe von Augentropfen müssen unbedingt entsprechend den Anweisungen des Augenarztes erfolgen. Wichtig ist auch, nicht am Auge zu reiben und Sonnenstrahlung zu vermeiden.
Bereits am Tag nach der LASIK wird oft ein gutes Sehvermögen erreicht. In den ersten Wochen können noch leichte Schwankungen auftreten, bis sich nach etwa 6 Wochen die Sehschärfe stabilisiert. Allerdings ist es trotz exakter Voruntersuchung möglich, dass die Fehlsichtigkeit nach Monaten bis Jahren wieder zunimmt. Grundsätzlich gilt: je geringer die Fehlsichtigkeit, desto größer ist die Chance, keine Brille mehr zu benötigen. Völlige Unabhängigkeit von einer Fernbrille kann nicht garantiert werden. Auch bei optimalem Erfolg muss etwa ab dem 45. Lebensjahr wegen der zunehmenden Alterssichtigkeit eine Lesebrille getragen werden.
Grundsätzlich ist die operative Behandlung der Fehlsichtigkeit keine Kassenleistung (Selbstzahlerleistung); das gilt auch für die im Zusammenhang mit dem Lasereingriff notwendigen Beratungen, Vor- und Nachbehandlungen während dreier Monate und die Kosten für die erforderlichen Medikamente. Auch ist zu beachten, dass eine Krankschreibung wegen der Laserbehandlung bei normalem Heilverlauf nicht gestattet ist.
Welche Probleme können auftreten?
Vor allem bei hohen Fehlsichtigkeiten kann es nach der Operation am ersten Auge bis zur Operation des zweiten Auges zu Problemen des beidäugigen Sehens kommen. Deshalb und auf Grund der guten Erfahrungen mit der LASIK werden inzwischen öfter beide Augen in möglichst kurzem zeitlichen Abstand behandelt. In Dämmerung und Dunkelheit kann es zu vermehrter Blendung und zur Wahrnehmung von Lichthöfen (Halos) kommen. Vor allem bei der Behandlung von höheren Kurzsichtigkeiten oder öfter bei Weitsichtigkeiten kann dies auftreten. In seltenen Fällen – fast immer durch Reiben am Auge – kann es zu einer Verschiebung des Hornhautflaps kommen. In diesem Fall ist eine operative Positionierung nötig.
Ebenfalls selten kann die oberflächlichste Schicht der Hornhaut – das Epithel – nach einigen Wochen unter das Deckelchen einwachsen und muss dann operativ entfernt werden. V.a. bei Patienten mit Wundheilungsstörungen sowie bei Auftreten von Infektionen oder Entzündungen kann es zu einer bleibenden Narbenbildung mit Sehverschlechterung kommen. Eine zu starke Ausdünnung der Hornhaut mit nachfolgender Vorwölbung und massiver Sehverschlechterung ist sehr selten, kann aber eine Hornhautübertragung notwendig werden lassen.
Durch die Verdünnung der Hornhaut werden die Werte einer Augeninnendruckmessung verfälscht, hierdurch kann ein Grüner Star möglicherweise nicht erkannt werden. Durch die Nachbehandlung mit cortisonhaltigen Augentropfen kann es zu einer vorübergehenden Erhöhung des Augeninnendrucks kommen. Eine Dezentrierung der Behandlungszone ist durch die Entwicklung neuer Laser sehr selten geworden. Auch Schnittfehler sind mit den automatisierten Messern sehr selten geworden, machen aber unter Umständen eine Verschiebung der Operation erforderlich.
Zusammenfassung
Die LASIK wird zur Behandlung von Kurzsichtigkeit bis -10 Dioptrien, von Astigmatismus bis 3 Dioptrien und von Weitsichtigkeit bis +5 Dioptrien eingesetzt. Weltweit haben sich inzwischen ca. 2 - 3 Millionen Menschen einer LASIK unterzogen, in den allermeisten Fällen mit sehr gutem Erfolg. Dennoch ist zu bedenken, dass diese Operation an einem eigentlich gesunden Organ durchgeführt wird. Wir Augenärzte vom ABW legen allergrößten Wert auf die Tatsache, dass kein noch so umfangreicher Prospekt ein persönliches intensives Aufklärungsgespräch mit dem Augenarzt ersetzen kann. Nur so können alle Aspekte und individuellen Bedürfnisse des Patienten abgeklärt werden. Es hat sich gezeigt, dass die zufriedensten Patienten die sind, die durch eine gute Aufklärung realistische Erwartungen und Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen dieser neuen operativen Verfahren entwickelt haben.
Sollten Sie also weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Augenarzt. Er wird sich die Zeit nehmen, Sie zu beraten und zu informieren!
Weitere seltenere Optionen:
- Laserthermokeratoplastik (LTK): Mit der LTK kann eine geringe Hyperopie bis 2 Dioptrien behandelt werden. Es werden mit einem Holmium- oder Dioden-Laser in der Peripherie der Hornhaut 8 - 32 ringförmig angeordnete Hitzeherde gesetzt. Im Bereich dieser Herde zieht sich die Hornhaut zusammen und ändert damit ihre Form und Brechkraft.
- Astigmatische Keratotomie (AK): Bei der AK werden in der Hornhautperipherie mit einem Diamantmesser, bzw. heute meist mit dem Femto-Laser zwei gegenüberliegende Schnitte in exakt definierter Position, Länge und Tiefe durchgeführt. Dadurch kommt es zu einer Verminderung des Astigmatismus. Die AK ist v.a. geeignet zur Reduzierung von höheren Astigmatismen nach vorausgegangenen Augenoperationen wie z.B. einer Hornhautübertragung.
Für alle laserrefraktiven Verfahren an der Hornhaut ist zu bemerken, dass der Eingriff nicht rückgängig zu machen ist.
Zu den Linsenverfahren:
- Intracornealer Ring bzw Ringsegmente (Intacts ICR): Zur Behebung einer geringen Kurzsichtigkeit bis zu etwa -3 Doptrien werden in die äußere Hornhaut schmale, halbkreisförmige Tunnel geschnitten. In diese werden halbkreisförmige Ringspangen aus Kunststoff eingeschoben. Wegen häufig auftretender Ablagerungen müssen diese Implantate oft wieder entfernt werden, so dass sich dieses Verfahren nicht durchsetzen konnte.
Implantation von Kunststofflinsen zusätzlich zur natürlichen Linse (PIOL): Sogenannte Phake Intraokularlinsen werden verwendet zur Korrektur von hohen Fehlsichtigkeiten, bei denen andere Verfahren nicht mehr angebracht sind. Bei der PIOL wird eine – entsprechend in ihrer Stärke berechnete – Kunststofflinse in das Auge zusätzlich zur natürlichen Linse implantiert. Der Vorteil dieser Methode ist, dass bei einer – selten vorkommenden – Linsenfehlberechnung ein Linsentausch möglich ist oder der Eingriff auch durch Entfernung der Linse reversibel wäre. Der Nachteil dieser Methode ist, dass es sich um einen Eingriff im Augeninneren handelt, mit dem möglichen, wenngleich sehr geringen Risiko einer – ernsten –Infektion. Auch ein Grauer Star oder ein Glaukom kann möglicherweise entstehen.
Die PIOL führt zu guten Ergebnissen vergleichbar mit den laserrefraktiven Eingriffen und kann als ebenbürtige Alternative zu diesen betrachtet werden.
- Austausch der natürlichen klaren Linse gegen eine Kunstlinse (ClearLensExchange CLE): Ebenfalls bei höheren Fehlsichtigkeiten kann die natürliche – eigentlich noch klare – Linse wie bei einer Grauen-Star-Operation aus dem Auge entfernt und an deren Stelle eine Kunststofflinse implantiert werden. Die Stärke dieser Linse wird entsprechend der bestehenden Fehlsichtigkeit berechnet. Auch bei dieser Methode kann eine fehlberechnete Linse nochmals ausgetauscht werden. Der Eingriff geht aber immer mit einem Verlust der Akkomodationsfähigkeit einher, das Auge kann sich also nicht mehr auf die Nähe einstellen. Es besteht ein geringes Risiko einer Infektion im Augeninneren. Auch Netzhautablösungen oder Netzhautblutungen oder ein Glaukom können in seltenen Fällen auftreten.
(07.06.2026)












































